Pilze sammeln – was sollte beachtet werden?

Pilze sammeln – was sollte beachtet werden?

Der warme und feuchte Sommer beschwert Deutschland in diesem Jahr viele Pilze. Die Saison beginnt früh, denn schon jetzt zieht es die ersten Sammler in den Wald und auf die Wiesen, um die besten Exemplare zu finden. Wie in jedem Jahr, so werden auch in der Pilzsaison 2017 wieder Menschen nach dem Pilze sammeln in die Notaufnahmen der Krankenhäuser eingeliefert, weil sie den falschen Pilz abgeschnitten und sich vergiftet haben. Auf was sollten Pilzsammler besonders achten, wenn sie auf die Jagd nach dem „Fleisch des Waldes“ gehen?

Auf den Standort kommt es an

Wer Pilze sammeln möchte, der sollte zunächst den richtigen Standort suchen. In Industriegebieten und an viel befahrenen Straßen wachsen zwar auch Pilze, aber diese haben giftige Ablagerungen und sind daher nicht zu empfehlen. Pilze sammeln sollte man grundsätzlich nur in naturbelassenen Regionen wie im Wald oder auf großen Wiesen. Naturschutzgebiete und Nationalparks sind bei der Suche allerdings tabu, denn die Pflanzen in diesen Gebieten und Parks stehen unter besonderem Schutz. Die gesammelten Pilze nie in einem Beutel aus Kunststoff nach Hause transportieren, ideal ist ein offener Weidenkorb oder ein kleiner Korb aus Holz.

Die Pilze richtig abtrennen

Pilze erfüllen in der Natur eine sehr wichtige Aufgabe: Sie sorgen für das ökologische Gleichgewicht. Bäume und Pilze sind natürliche Partner, die eine Symbiose bilden, denn der eine profitiert vom anderen und nur, wenn diese Symbiose funktioniert, dann bleiben Bäume und Pilze gesund. Wer Pilze sammeln möchte, der darf sie daher nicht einfach aus der Erde reißen, sondern muss sie vorsichtig aus der Erde drehen oder sie dicht über dem Boden mit einem scharfen Messer abschneiden. Dieses Vorgehen dient zum einem der eigenen Sicherheit bei der Pilzbestimmung und sorgt zum anderen für ein nachhaltiges Wachstum der Pilze. Wird der Pilz aus der Erde gerissen, dann wird das sogenannte Myzel-Gewebe unter der Erde zerstört und es bildet sich kein neuer Pilz mehr. Das entstehende Loch sollte mit Humus oder Laub zugedeckt werden, damit das Pilzgeflecht nicht austrocknen kann.

Nur bekannte Pilze sammeln

Jedes Jahr warnt die Deutsche Gesellschaft für Mykologie, dass man nur die Pilze sammeln sollte, die man wirklich kennt. Die Pilzsammler sollten sich viel Zeit nehmen und den Pilz von allen Seiten immer wieder betrachten und begutachten. Erst wenn man sich sicher ist, dann kann der Pilz auch in die Bratpfanne. Es sind vor allem Laien, denen beim Sammeln verhängnisvolle Fehler unterlaufen. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie rät daher, die Pilze vor dem Verzehr von einem Sachverständigen der DGfM begutachten zu lassen. Auch ein Förster kennt sich mit Pilzen aus und kann bestimmen, welche Sorte genießbar ist und welche nicht.

Welche Arten sind gefährlich?

In Deutschland gibt es einige Pilzsorten, die lebensgefährlich werden können. Die größte Gefahr geht dabei von Doppelgängern aus, also giftigen Exemplaren, die genießbaren Pilzen zum Verwechseln ähnlichsehen. So wird der tödlich giftige Grüne Knollenblätterpilz oft mit dem aromatischen Wiesenchampignon verwechselt und der Perlpilz sieht dem Pantherpilz sehr ähnlich, der ein starkes Nervengift enthält. Der bekannte Pfifferling und der falsche Pfifferling werden gerne verwechselt, wobei der falsche Pfifferling nicht lebensgefährlich ist, aber zu Verdauungsstörungen führen kann. Beliebt ist auch der leckere Steinpilz und dessen Doppelgänger, der Gemeiner Gallenröhrling oder auch Bitterling genannt wird. Er ist zwar nicht giftig, aber er macht, was den Geschmack angeht, seinem Namen alle Ehre. Schon ein einziger dieser Pilze reicht aus, um ein Essen ungenießbar zu machen. Extrem giftig sind auch der Fliegenpilz, der spitzbucklige Rauhkopf, der kahle Krempling, der Frühlorchel und der gesäumte Häubling. Alle diese Pilze sind sowohl im gekochten wie auch im rohen Zustand absolut tödlich.

Wann kann welcher Pilz gesammelt werden?

Die Pilzsaison beginnt mal früher und mal später, je nachdem wie feucht der Sommer war. Die eigentliche Saison zum Pilze sammeln startet aber im September, selbst wenn einige Arten wie der Bovist schon im August reif sind. Im Spätsommer gibt es viele Champignonsorten wie den Wiesen-, den Wald- und den Anischampignon, Anfang Oktober kommen dann die Maronen, die Herbsttrompete, die Steinpilze und die Pfifferlinge dazu. Auch der Hallimasch, das Stockschwämmchen und der Rauchblättrige Schwefelkopf gehören zu den essbaren Pilzen im Herbst, allerdings müssen sie gekocht oder gebraten werden, denn roh verzehrt sind sie giftig.

Wer Pilze sammeln will, der sollte an die vorgeschriebenen Mengen denken, denn mehr als ein Kilo pro Tag und Person dürfen es nicht sein.

Bild: © Depositphotos.com / Boarding2Now

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Über den Autor

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.